Dvergarsif
 
Die Dvergarsif ist in erster Linie eine Heilsgemeinschaft im Sinne einer Schicksalsgemeinschaft mit familien-soziologisch erforderlichen wirtschaftlichen Funktionen, wozu auch der konstitutive gemeinsame Haushalt seit einigen Jahren wieder besteht; es handelt sich rechtlich also um den kleinsten Teil einer Großfamilie mit allen formalen und gesetzlichen Konsequenzen. Demzufolge besteht die Dvergarsif nur aus tatsächlichen Familienmitgliedern, die in gleichberechtigter Gemeinschaft leben.
Einen Gott* als Sammelbegriff für transzendente, d.h. die erfahrbare Welt übersteigende Mächte, die ihrerseits Einfluss auf das Leben in der ihnen erfahrbaren Welt nehmen, oder gar eine als Person erfahrene heilige, allumfassende Macht schlechthin, von der sich der religiös ergriffene Mensch in seiner Existenz unmittelbar betroffen und gefordert sehen soll, lehnt die Dvergarsif ab. Also leugnet sie die Existenz eines oder mehrerer persönlicher Götter jenseits der erfahrbaren Welt. Gemäß einer frühesten Form des Atheismus* versteht sie die dort sogenannten "Götter" den Menschen gleich in den innerweltlichen Kreislauf des Werdens und Vergehens eingebunden; sie kommen also für eine menschliche Erlösung nicht in Betracht. Die Zwergensippe fasst die Welt ohne Zuhilfenahme eines Gottes als Erklärungsgrund unter (natur-) wissenschaftlichen Gesichtspunkten auf und stößt sich an der Entsakralisierung und Entgötterung der Natur durch den christlichen Schöpfungsglauben, was laut Brockhaus als Ursache der Ausbildung eines verallgemeinerten Atheismus im westlichen Geistesleben der Neuzeit beitrug und womit sie nach dieser Definition in ihrem unterschiedlich ausgeprägten Agnostizismus dem methodischen* Atheismus* zuzurechnen ist.
Dem Animismus* entsprechend empfindet sie die gesamte erfahrbare Welt als beseelt, d.h. dass sie allem jeweils eigene spürbare Qualitäten zumisst, woraus sich insbesondere bezüglich jahreszeitlich bedingten Naturerscheinungen, Wachstumsperioden oder Wetterphänomenen usw., wie z.B. Lebenskraft, Wind oder Frost eine bildhafte Vorstellung von Göttern und anderen Wesenheiten ergibt. Dies dient dazu, die nüchtern atheistisch-wissenschaftliche Auffassung der Welt im Geiste lebendig abzubilden und Kultur zu schaffen. Diesbezüglich werden die neuronalen Verbindungen durch rituelle Handlungen (Blótar) gestärkt und durch ständiges Gedenken erhalten. Diese Treue zeigt sich im Polytheismus* der gleichzeitigen Verehrung einer Vielzahl von sogenannten Göttern, die meist nach Art menschlicher Personen vorgestellt werden.

(*:Definition der durch Sternchen gekennzeichneten Begriffe nach Brockhaus 2003)


Der Waldheinzi

Es war einmal eine Zeit, da lebte ein aufrichtiger Mann in einem fernen Lande. Das Land war aber die Heimat all seiner Ahnen, doch war die Zeit eine andere und von dem alten Brauch war darinnen nichts mehr zu finden. Mutig ging der Mann aber seinen Weg, und obgleich die Menschen über ihn lachten blieb er sich treu und er blieb treu den Werten seiner Ahnen aus der alten Zeit. Er war all so einer der Waldler und er war fleißig wie die Heinzen; darum ward er der „Waldheinzi“ geheißen; er war eine ehrliche Haut.

Aus den Bergen ward eine traditionsbewusste Sippe einstmals vertrieben, daraus spross eine Tochter hervor. Sie wurde alsdann des Waldheinzis angetrautes Weibi, die Dyrgja Erlefri. Mit ihr zeugte der Waldheinzi dann Nachkommen: Zuerst erblickte ein buckeliger Zwerg der Welten Licht. Nach zwanzig Monden folgte dem Zwerig aber eine Schwester, das war die Feuergeiß.

Heute ist der Waldheinzi schon lange heimgekehrt in den Ewigen Wald. Die Seinen leben aber mit „Herrn Schellinski“ hinter den Sieben Bergen in einem Walde und da sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute...

Ehrwyrdiges

Basierend auf der Erwägung, dass es ehrvoll sei, das Heil zu mehren, könnte man sich nun an der Heilswirksamkeit seines Vorhabens orientieren, um bei der Umsetzung ehrenhaft zu handeln. Dabei bleibt das ehrenvolle Ansehen immer auf einen mehr oder weniger großen Raum beschränkt, wie es der ewige Kreislauf des Fressens und Gefressenwerdens mit sich bringt. Jedoch scheint jemand, der bei der Mehrung des Heils nur auf sich bedacht ist nicht als der Ehre voll zu bezeichnen zu sein. Schließlich muss hier jeder eigenverantwortlich entscheiden, wie groß er seinen jeweiligen Rahmen fasst, was sicher auch von Fall zu Fall unterschiedlich ausfällt. Im Abgleich mit den Reaktionen der Umwelt stellt sich dann der Gehalt an Ehre dar, an dem derjenige dann von anderen gemessen wird.

Es ist zu vermuten, dass in einer Zeit, als es noch keine schriftlichen Verträge gab, das Halten des Wortes von großer Bedeutung war: Jemand der sein Wort nicht hielt, versetzte sich somit in eine Lage der Geschäftsunfähigkeit, da sich ja niemand mehr auf sein Wort verlassen konnte. Er sanktionierte sich quasi selbst aus dem gesellschaftlichen Leben heraus. Bei schweren Verstößen gab es ja wohl noch die Möglichkeit der Rache, oder die Einigung auf dem Thing (z.B. in Form einer Ausgleichszahlung). Die Spuren, die der Verstoß im Wyrd hinterlassen hat, sind jedoch nicht mehr zu tilgen. Und es dürfte auch nicht so leicht sein den Vertrauensverlust in der Gesellschaft durch neue Taten auszugleichen.
Ehrenhaft ist es das Heil zu mehren. Vorsätzliche Minderung des Heils anderer zum eigenen Nutzen und scheinbaren Zugewinn an eigenem Heil wirkt sich negativ auf die Hamingja aus. Die sich aus dem Wyrd ergebenen Konsequenzen könnten, so nicht bereits zum eigenen, dann aber zum Unheil der Nachfahren werden.


Schicksal
 
Auf die Frage, ob es nun Schicksal gäbe; ob es die Nornen seien, die für das Schicksal verantwortlich sind, ließen sich die Zwerge dereinst folgender Weise aus und erzählen jetzt mal, wie sie das mit dem Schicksal und den Nornen sehen. In erster Linie sind da die drei Nornen bei dem Brunnen unten an dem Weltenbaum: Urd, Werdandi und Skuld. Genzmer übersetzt Voluspa 20:

Von dort kommen Frauen, vielwissende, drei aus dem Born, der unter dem Baume liegt: Urd heißt man eine, die andere Werdandi - sie schnitten ins Scheit -, Skuld die dritte; Lose lenkten sie, Leben koren sie Menschenkindern, Männergeschick.

Hier könnten wir, wenn wir denn könnten, das "germanische Schicksal" greifen. Nun sehen wir es aber so, dass die Nornen, und hier insbesondere diese drei, ein Bild für das Geschehen der Zeit darstellen - also abstrakt sind. In sehr freier Übertragung entsprechen diese drei Nornen in etwa Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; dies aber nur äußerst vage, um dem zeitlich linear denkenden, modernen Menschen einen ersten Ansatzpunkt zu ermöglichen.
Das "Schicksal" besteht im Prozess des Werdens aus den Möglichkeiten, die in Urd vorzufinden sind. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine unwandelbare Vorbestimmung, denn daraus kann vieles werden! Da ist also nichts mit Vorbestimmung, sondern "Schicksal" ist einfach das Geschehen, welches einer durchaus selbst in die Hand nehmen kann.